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  • AutorenbildSandra Lustenberger

Neuanfänge – «jedem Anfang wohnt ein Zauber inne»

Viele kennen den Spruch, welcher inzwischen in unseren Sprachgebrauch übergegangen ist, aus dem Gedicht «Stufen» von Hermann Hesse: «Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne». Als wir uns über diesen Vers weiter informieren wollten, lasen wir das ganze Gedicht und fanden heraus, dass es hier um Lebensphasen und Transformation geht. Hermann Hesse hat «Stufen» nach langer Krankheit geschrieben und nannte es zuerst «Transzendenz».


Dieses Gedicht beschreibt für uns das Leben wie es ist, wir schreiten immer weiter von Lebensphase zu Lebensphase, von der Kindheit, zur Jugendzeit, zur Erwachsenenzeit. Was einst voll und ganz richtig für uns war, hat plötzlich weniger Wert. Andere Dinge werden wichtig und immer wieder müssen wir loslassen was ausgedient hat und wieder einen Schritt weiter gehen. Manchmal lassen wir gerne los und manchmal werden wir vom Leben dazu gezwungen. Hermann Hesse sagt, dass der Zauber jedes Anfangs uns beschützt und uns hilft zu leben. Zuerst kommen die Anfänge, die einen Zauber in sich tragen, dann kommt die Blüte, wo wir ganz in unserer Kraft sind, aber jederzeit sollen wir uns auch bewusst sein, dass nichts ewig dauert und es auch wieder einen Abschied gibt… und dann wieder einen Neuanfang.


An so einem Anfang stehen wir nun, vieles haben wir losgelassen, sind über unsere Schatten gesprungen, haben uns niemals durch unsere Ängste und Unsicherheiten abhalten lassen, haben zusammengehalten, stundenlang diskutiert, philosophiert und freuen uns nun, einen Raum für uns, für dich, für viele anzubieten. Der Zauber unseres Anfangs ist Freude, eine grosse Dankbarkeit und Stolz, einen Raum für Heilung und Begegnung anbieten zu können.


In Verbundenheit

Sandra & Sibylle





STUFEN

Von Hermann Hesse


Wie jede Blüte welkt und jede Jugend Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern In andre, neue Bindungen zu geben. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben. Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, An keinem wie an einer Heimat hängen, Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten. Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen, Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen. Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde Uns neuen Räumen jung entgegen senden, Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden… Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

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