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  • AutorenbildSibylle Lagler

Märchen als Quelle unserer Urkräfte

In alten Zeiten wurde traditionellerweise, Wissen und tiefe Weisheit nur mündlich, meist über Geschichten, auch Märchen, Mythen oder Sagen genannt, von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Oft wurden dieselben Geschichten wieder und wieder erzählt, was besonders die Kinder liebten. Es gab spezielle Märchen für bestimmte Feste oder Zeiten im Jahr, bei Tod oder Geburten, Hochzeiten oder in Übergangszeiten, wie wenn junge Menschen erwachsen wurden usw.

Die Geschichtenerzähler oder auch Hüterinnen der Geschichten, waren hoch angesehen im Stamm und wurden oft um Rat, in Form einer Erzählung gefragt. Später gab es auch Barden und Hofnarren, die über Erzählungen, eigens getextete Lieder, Witz und vorgetragene Gedichte, Erfahrungen und Emotionen, sowie auch Kritik an der Obrigkeit aussprachen, was sich sonst niemand getraute. So gaben sie dem Volk eine Stimme, spendeten Trost und schenkten Mut, konnten aber auch sarkastisch und beissend sein, wenn nötig. Hinter ihrer närrischen Fassade, steckte meist ein weiser, wacher, beobachtender Geist und ein Wissen, welches auch von Königinnen und Königen gerne zu Rate gezogen wurde.

Die einzelnen Charaktere eines Märchens, einer Sage können alle als Teile unseres Selbst gesehen werden. Manche uns bewusste Teile, viele aus dem Unbewussten. Oft sprechen aus Geschichten Archetypen zu uns, erinnern uns vielleicht an verschüttete oder abgespaltene Teile wie: Talente, Eigenschaften, Stärken oder Schwächen, sowie eigene Gaben. Identifiziere ich mich mit dem Helden, dem Schurken, dem Opfer, dem Herrscher, der Schönheit, dem Biest oder einer Nebenrolle, die wenig Aufmerksamkeit bekommt? Und was sagt das über mich aus?


In ihrem Buch Die Wolfsfrau analysiert Clarissa Pinkola Estès, zwanzig Mythen, Märchen und Geschichten aus verschiedensten Kulturkreisen, speziell um Frauen wichtige Aspekte ihres Charakters und ihrer Verhaltensmuster näher zu bringen, damit diese sich an die im eigenen Ich schlummernden gesunden, instinkthaften Eigenschaften zurückerinnern können. Ein sehr empfehlenswertes Buch, das mich schon über 15 Jahre begleitet.


«Erzählungen sind Medizin»


Verena Kast schreibt in ihrem Buch «Märchen als Therapie»: Nicht nur Eltern, Geschwister, Freunde, Partner, Kinder usw. spielen eine Rolle in unserer Lebensgeschichte, sondern auch Geschichten. Die meisten Menschen haben eine Lieblingsgeschichte, die sie gehört oder gelesen haben, die meisten von uns werden auch immer wieder von einer Geschichte gepackt. Diese Geschichten sagen etwas über uns aus, über unsere Sehnsüchte, Wünsche, über menschliche Haltungen, mit denen wir uns gerne identifizieren würden, über Menschen die wir gerne wären. Schauen wir genauer hin, dann sagen diese Geschichten auch etwas aus, über unsere Probleme, die stellvertretend an anderen Menschen deutlich werden und von ihnen allenfalls auch gelöst werden.


«Geschichten begleiten unser Leben, Märchen sind besondere Geschichten»


In Märchen können wir einem gewissen Realitätsdruck entfliehen, mitgetragen werden, unverhoffte Lösungen erkennen, schöpferischen Wandel miterleben, der uns auf uns selbst übertragen Mut vermittelt zu einer Zukunft, die nicht am Vergangenen klebt.

In Mythen sind, in symbolischer Sprache, jegliche Probleme des Menschseins ausgedrückt, aber auch das Verständnis des Menschen im ganzen kosmischen Zusammenhang, zwischen Himmel und Erde.


An unseren Märchenabenden bieten wir dir die Gelegenheit, in die Welt der Geschichten einzutauchen, dich mittragen und inspirieren zu lassen und wer weiss, vielleicht einen neuen Aspekt deines Selbst zu entdecken.




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